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NEWS / UPDATES 200623. November 2006 Radevormwald - Gürteltier am Gurt VON STEFAN KAUFMANN Radevormwald (RP) Heute endet die landesweite Anschnall-Aktion des Innenministeriums. Gestern waren einige Polizeibeamte, die im Kreis für Verkehrssicherheit zuständig sind, in Rade. Sie sprachen mit Eltern und beschenkten die Kinder.
B M-Foto: Dörner Jakob bekommt in seinem Kindersitz Gesellschaft. Gordan, das Gürteltier hängt sich auf der Rückbank an den Anschnallgurt. Seine Mahnung: „Schnall dich an, sonst bist du dran!“ Und dann fliegst bei der nächsten Vollbremsung durch die Scheibe. „Die Gurte retten Leben“, betont Polizeioberrat Lutz Becker, der eine landesweite Anschnall-Aktion des Innenministeriums im Oberbergischen Kreis koordiniert. Jakob erntet nur Lob von den Polizisten. Oder vielmehr seine Mutter Karen Schwarzer. Sie hat ihr 19 Monate altes Kind vorschriftsmäßig und sicher in seinem Sitz angeschnallt. „Das ist für mich selbstverständlich“, sagt die Fahrerin aus Hückeswagen, die gestern das erste Mal von der Polizei aus dem Verkehr gewunken wurde. Umso erfreuter nimmt sie das Gummi-Gürteltier in Empfang. An drei Tagen verteilen die für Verkehrssicherheit zuständigen Beamten 1740 „Gordans“ im ganzen Kreis. Den Service komplettiert: ein kurzes Gespräch am Autofenster, eine Info-Broschüre für daheim. „Das Tier soll die Kinder schon beim Einsteigen daran erinnern, dass sie sich anschnallen müssen“, sagt Hauptkommissar Kalle Mülling. Daher auch der Name „Gurt an“, oder eben auf Platt: „Gordan“. Insbesondere vor Grundschulen und Kindergärten postieren sich die Sicherheits-Experten der Polizei. Gestern sprachen sie die Eltern an, die ihre Kleinen von der Wupperschule abholten. Danach ging es an der Keilbecker Straße weiter. Diese gezielte Aktion ist ein Mosaiksteinchen im Gesamtbild Verkehrssicherheit. „Wir praktizieren einen Mix aus Repression und Prävention“, sagt Lutz Becker, der die Direktion Verkehr leitet. Auf der einen Seite Kontrollen, die derzeit verstärkt durchgeführt werden. Ein Bußgeld von 40 Euro zahlt jeder, der unangeschnallt im fahrenden Auto sitzt. Einen Punkt im Flensburg gibt es als Dreingabe. Auf der anderen Seite gehen Polizisten in die Schulen, bieten Fahrradparcours an, sprechen mit Eltern und Kindern. Ziel ist es in diesem Fall, die Anzahl der Kinder, die bei einem Unfall zu Schaden kommen, weil sie nicht angeschnallt waren, zu minimieren. Das Augenmerk liegt daher vor allem auf Unfallschwerpunkten. Während Rade und Hückeswagen gut abschneiden, werden in Wiehl und Marienheide deutlich mehr Gummi-Gordans verteilt. Im Landesvergleich stehe der Oberbergische Kreis allerdings spitze da, meint Becker. Was er auf die gute Arbeit seiner Beamten zurückführt, die alle Verkehrsteilnehmer für das Thema sensibilisierten. „Erwachsene sind natürlich die Vorbilder“, sagt der Polizeioberrat. Aber es käme auch vor, dass die Kinder ihre Eltern ermahnten, sich doch bitteschön anzuschnallen. rp-online.de 21. November 2006 POL-PB: Gürteltier unterstützt die Polizei im Kampf gegen "Gurtmuffel" - Kinder werden mit "Gordan" belohnt
Kreis Paderborn (ots) - (mb) Gegen "Automarder" setzt die Polizei auf Zivilfahnder. Gegen kabelfressende Marder im Motorraum eines Autos scheint kein Kraut gewachsen. Ein Gürteltier (Cingulata) namens "Gordan" verbreitet sich jetzt zunehmend in den Autos, um den "Gurtmuffeln" im Kreis Paderborn den "Gar aus zu machen". Landrat Manfred Müller erklärt das plötzlich Auftreten der Gürteltiere: "Die Polizei stellt immer wieder fest, dass Autofahrer nicht angeschnallt sind und ihr Leben aufs Spiel setzen. Ein Dorn im Auge sind mir persönlich verantwortungslose Erwachsene, die ihre Kinder im Auto nicht sichern. "Gordan" das Gürteltier soll immer wieder daran erinnern: der Sicherheitsgurt ist nach wie vor der Lebensretter Nr. 1, wenn es zum Unfall kommt." Müller selbst hat die von der EU geförderte Kampagne am Montag im Kreis Paderborn eröffnet und begleitete Polizeibeamte bei Gurtkontrollen vor der Kindertagesstätte an der Paderborner Ahornallee. Die Beamten stoppten sämtliche Autos, in denen Mütter und Väter ihre Kinder zur Tagesstätte brachten. Polizeihauptkommissar Reinhard Graumann, Verkehrssicherheitsbe-rater der Kreispolizei-behörde war positiv beeindruckt: "Alle Erwachsenen waren angeschnallt und hatten ihre Kinder vorschriftsmäßig auf Kindersitzen gesichert". Zur Belohnung bekamen die Kinder das Gurtmaskottchen "Gordan", eine Spielzeugfigur, die an den Sicherheitsgurten angebracht werden kann und dann immer deutlich sichtbar ist. Landrat Müller: "Gordan erinnert die Kinder schon beim Einsteigen an den sicheren Gurt und fordert sie auf, allen anderen Mitfahren - Kindern sowie Erwachsenen - zu sagen: 'schnall Dich an, sonst bist Du dran'." Den Autofahrerinnen und -fahrern händigten die Polizisten Flyer über die Gürteltierkampagne und Infobroschüren zum Thema Kindersicherung aus. "Heute mussten wir keine Verwarngelder nehmen, oder Anzeigen gegen Autofahrer schreiben", zeigte sich auch Oberkommissar Heinz Kube als zuständiger Bezirksbeamter positiv überrascht. Kube macht aber auch klar: "Die niedlichen Gürteltiere sollen nicht darüber hinwegtäuschen, dass wir auch während der Kampagne gegen "Gurtmuffel" einschreiten und ihnen die 'Mäuse' aus der Tasche ziehen." 30 Euro Verwarngeld sind bei nicht angeschnallten Erwachsenen fällig. Sind mehrere Kinder nicht gesichert, erhöht sich das Bußgeld auf 50 Euro plus einen Punkt in Flensburg. Bis Mitte Dezember führt die Polizei im gesamten Kreisgebiet, insbesondere in der Nähe von Kindergärten, Schwerpunktkontrollen zur Personensicherung in Fahrzeugen durch. Gordan wird die Polizisten dabei begleiten. Landrat Müller ist überzeugt: "Das Gürteltier wird in der Vorweihnachtszeit in viele Autos mit Paderborner Kennzeichen einziehen und mit Unterstützung der Kinder für einen sicheren Transport sorgen." Im NRW-Innenministerium informierte am Dienstagmorgen Innenminister Dr. Ingo Wolf über die Kampagne und stellte die Broschüre "Geschnallt ?! Kinder als Mitfahrer im Auto" der Öffentlichkeit vor. Damit setzt sich die nordrhein-westfälische Polizei mit dem Deutschen Verkehrssicherheitsrat und anderen Partnern aktiv für eine bessere Anschnallmoral ein. Weitere Informationen zum Thema sind unter der Adresse www.gordan-online.de abrufbar. Info: Fotodownload unter www.polizeipresse.de Bildunterschrift: Der 6-jährige Marvin hat Gürteltier "Gordan" schon sicher an seinen Gurt geschnallt. Vater Franklin Oviasogie: "Das ist eine gute Aktion. Die Sicherheit der Kinder darf niemand vernachlässigen". Landrat Manfred Müller und Hauptkommissar Reinhard Graumann konnten am Montagmorgen viele Eltern an der KiTa Ahornallee von der Gürteltieraktion überzeugen. presseportal.de 14. November 2006 Gürteltier Gordan hat's geschnallt Von JULIAN VAN DIEKEN Euskirchen - Knapp 30 Kinder, einige Mütter und Erzieher drängten sich kürzlich in einen Raum des Herz-Jesu-Kindergartens, um an einem Vortrag der Polizei über Verkehrssicherheitserziehung teilzunehmen.
Euskirchen - „Ich hab' mich auch mal nicht geschnallt!“ - Auf die Frage von Polizeipressesprecher Andreas Blum, ob die Kinder beim Autofahren denn auch immer schön den Gurt anlegen, gab es von den jungen Zuhörern ehrliche Antworten. Knapp 30 Kinder, einige Mütter und Erzieher drängten sich kürzlich in einen Raum des Herz-Jesu-Kindergartens, um an einem Vortrag der Polizei über Verkehrssicherheitserziehung teilzunehmen. Laut des Deutschen Verkehrssicherheitsrats sind Kinder, die ungesichert im Auto mitfahren, einem siebenmal höheren Risiko ausgesetzt, bei einem Unfall schwer verletzt oder gar getötet zu werden. Die Verletztenrate ist mit 286 Unglücksfällen seit dem Jahr 2001 im Kreis Euskirchen besonders hoch. 55 waren es allein im vergangenen Jahr, und auch 2006 werden die Zahlen voraussichtlich ähnlich hoch sein. Um die Sicherheit für Kinder im Verkehr zu erhöhen und das Bewusstsein der Eltern für eine verantwortungsvolle Sicherung der Kleinen im Auto zu schärfen, wurde von der Europäischen Union das „Gürteltier-Projekt“ ins Leben gerufen. Darin vermittelt „Gordan, das Gürteltier“ den Jungs und Mädchen anschaulich, wie wichtig es ist, sich im Auto anzuschnallen. Analog dazu verteilt die Polizei in den kommenden Wochen Gordan-Figuren und Flyer in den Kindergärten und Vorschulen. Der Verkehrssicherheitsberater der Euskirchener Polizei, Rüdiger Köbrich, setzt auf den Identifikationseffekt: „Die Kinder verstehen schnell, dass es sehr gefährlich ist, unangeschnallt im fahrenden Auto zu sitzen.“ Die Figur helfe, sich daran zu erinnern, dass vor jeder Fahrt der Gurt angelegt werden muss. Die jungen Mitfahrer können Gordan, den gepanzerten Kautschuk-Begleiter, an ihre Sicherheitsgurte schnallen. So ist den Kindern schnell klar: Gordan legt den Gurt an - und sie selbst auch. Trotz Gurtpflicht sei es längst nicht für alle Eltern eine Selbstverständlichkeit, ihre Jüngsten im Auto anzuschnallen, so Köbrich. Gerade bei kürzeren Strecken werde gerne einmal „eine Ausnahme“ gemacht und auf das vermeintliche lästige Utensil verzichtet. Dabei belegen Unfallstudien, dass bei einem Aufprall des Fahrzeugs selbst bei einem vergleichsweise geringen Tempo um die 30 Stundenkilometer schon schwerste, teilweise sogar tödliche Verletzungen die Folge sein können. Zum Vergleich: 83 Prozent der gesicherten Kinder bleiben unverletzt. ksta.de 11. Oktober 2006 Baby überlebt 24 Stunden in Gürteltier-Loch Brasilianerin vergrub ihr Neugeborenes bei lebendigem Leib Eine furchtbare Tat und eine wundersame Rettung... Eine 40-jährige Brasilianerin brachte ihr Baby auf einem verlassenen Grundstück zur Welt. Sie steckte es in das Erdloch eines Gürteltiers. Und ließ den Säugling dort liegen – 24 Stunden lang. Als die Polizei das Neugeborene endlich fand, guckte nur das Köpfchen aus dem Erdloch. Fliegen schwirrten um das winzige Gesicht. Die Beamten fürchteten das Schlimmste. Doch das Baby lebt! Nachbarn hatten die Polizei alarmiert, als sie die Frau am Montagvormittag plötzlich mit blutverschmierten Kleidern und ohne Baby-Bauch, aber auch ohne Baby sahen. Eine dramatische Suche begann. Stundenlang versuchten die Beamten verzweifelt, den Säugling zu finden. Dann entdeckten sie das Baby im Erdloch auf dem verlassenen Grundstück in der Gemeinde Laranjeiras do Sul (im südlichen Bundesland Parana). Ein kleiner Mensch, erst seit 24 Stunden auf der Welt. 2,8 Kilo leicht. 46 Zentimeter lang. Der Mund voller Erde. Fliegen summen. Sonst kein Laut. Ein Polizist: „Wir dachten, das Kind sei tot, als wir es im Loch inmitten der Plazenta-Reste gesehen haben.“ Doch es lebte! Dem kleinen, nach achtmonatiger Schwangerschaft am Sonntag geborenen Jungen gehe es den Umständen entsprechend sehr gut, berichten die Ärzte. Die Mutter war nicht weit. In einer Kneipe in einem Armenviertel nahm die Polizei sie inzwischen fest – unweit des Grundstücks, auf dem sie ihr Baby in das Gürteltier-Loch gesteckt hatte. Weinend sagte sie den Beamten: Sie habe keine Erklärung für ihre Tat. Bild.de 16. Februar 2006 Kulturhauptstadt 1990 Glasgow - Das begehbare Gürteltier Von Anna Schaffner Neue Hülle für die schmutzige Haut: Die Schmuddelstadt Glasgow wird zum strahlenden Exempel kosmopolitischer Eleganz. Entdecken Sie eine Stadt, der eine zweite Chance gewährt wird - und die sie auch nutzt.
Foto: seeglasgow.com Das Viadukt, unter dem der Hintereingang von „The Arches“ liegt, schimmert nur schwach. Über dem Kopf verlaufen angerostete Stahlstreben und stützen rußgeschwärztes Holz. Müll und zersplittertes Glas liegen am Gehsteig. Menschliches Strandgut fließt stadtauswärts vorbei. Nur ein Irrtum führt einen hierher, abseits von Glück und Zeit. Ein paar Meter weiter, ein Schwenk nach links, und das Szenario des Abgesangs wandelt sich in das edle Design des Erfolgs: Glasgows schickster Szeneclub. Grün glitzert der Schriftzug über dem vorderen Eingang der einst ausrangierten Fabrikhalle. Kein zufälliges Ereignis in Glasgow, vielmehr ein fortwährendes Déjà-vu. Glasgows Gesicht zeigt Züge einer noch unvollendeten Operation. Viel Geld wird investiert, damit das Hässliche dem Schönen weiche, und das Ergebnis soll nicht nur dem Auftraggeber gefallen. Falten werden retuschiert, und nicht immer gelingt, was der Architekt dem Gesicht verspricht. Paralleluniversum von Alt und Neu Aus der Oberfläche treten dann die Reliquien des Vergangenen und gaukeln einem unverdrossen und vielfach renoviert ihren Anspruch auf Repräsentation vor. Die Geschichte hat Narben hinterlassen, und wer das Messer schlecht gesetzt hat, starrt nach der Operation in ein Paralleluniversum von Alt und Neu. Unter Glasgows neuer Hülle gibt es auch Geschichte. Versteckt taucht sie an Straßenecken, am Hafenquai, in den Gassen des Kaufmannsviertels auf, weshalb sich die Mehrzahl der Fremden erst gar nicht die Mühe macht, dort abzusteigen. Ein Industriemoloch, dessen Glaubenskämpfe nicht in Kathedralen ausgetragen werden, sondern in Fußballstadien. Eine Stadt, verkommen wie die 80er Jahre im Großbritannien der Eisernen Lady. Was dem Staat auf der Tasche liegt, wird wegrationalisiert; und das gilt beinahe für ganz Glasgow. Die Stadt verkommt. Die Dimension der Verödung ist in Europa ohne Vergleich. Seit wenigen Jahren vernimmt man einen anderen Ton. Glasgow wird, weit vor London und nur von Edinburgh geschlagen, zum beliebtesten Reiseziel der Insel gewählt. Vielmehr noch gilt die Stadt jetzt als cool und schnell. Ein Ort, an dem man sein sollte; dem eine zweite Chance gewährt wird, und der sie auch nutzt. „In den Arches“, erzählt Ian, „ist der Underground längst zum Establishment geworden“; man zelebriert sich selbst. Designerklamotten reiben sich an Designermöbeln, das neueste Album von den Delgados schiebt sich durch Stimmengewirr. Ian ist Maler, vor Jahren von den Schafheiden der Lowlands in die Metropole gezogen. „Die Bedingungen für uns sind besser als in den anderen britischen Städten. Edinburgh ist gut, Glasgow besser. Man muss hier kein Erbe antreten, weil keines hinterlassen wurde; kein Mittelalter, höchstens ein bisschen Mackintosh. Niemand quatscht hier rein. Du triffst dauernd neue Leute, die neue Sachen machen, neue Läden gründen und neue Projekte laufen lassen.“ Und so fällt ihm als Vergleich einzig New York ein, das er nicht kennt. Aber er weiß, dass man es dort mit demselben Gemisch aus Multikultur, Weltbürgertum und Offenheit für neue Konzepte zu tun hat. Ein erster gewagter Schnitt: Um den endgültigen Niedergang zu vermeiden, initiiert man Mitte der 70er Jahre das damals größte Sanierungsprojekt Westeuropas. Der Ostteil der Stadt, mit seinen ruinösen viktorianischen Bürgerhäusern, soll vor der vollkommenen Verslummung gerettet werden. Die Zeichen stehen auf Abbruch, doch entschließt man sich zuletzt zur Restaurierung. Ein erster Tropfen auf einem sehr heißen Stein. Ein Farbfleck im Grau des wirtschaftlichen Niedergangs. Die Thatcher-Jahre lassen die Stadt bluten; in einem Jahrzehnt verlieren knapp 200.000 Menschen ihre Arbeit. Ganze Industriezweige werden sukzessive geschlossen, der Schiffbau kollabiert. Die Queen Elizabeth 2, Britanniens Flaggschiff, verlässt die Glasgower Werft und muss in Deutschland mit neuen Motoren bestückt werden. Die Stadtherren jedoch sanieren weiter. Ein neues Konzept soll das Image der morbiden Industriestadt ändern – das Projekt „Architektur“ soll die Stadt neu konturieren. Eine Beziehung zwischen räumlichen Abständen und wirtschaftlicher Dynamik schwebte bereits Charles Rennie Mackintosh vor, dem Giganten schottischer Architektur. Das war vor 100 Jahren. Seine Position im heutigen Stadtbild Glasgows ist der Antoni Gaudís in Barcelona ähnlich. Die Zeit, das Fin de siècle, teilen sie sich, und so verwundert es nicht, dass der Jugendstil noch heute das Straßenbild prägt. Mackintoshs Aufstieg überschneidet sich mit einer Welle schottischen Konjunkturwachstums. Der folgt ein zunehmender Zuzug, eine massive Urbanisierung Glasgows. Die Werften am Clyde, Glasgows Wasserweg, gehören zu den produktivsten der Welt. Der imperialen Ausdehnung des Königreichs folgt ein Industrialisierungsschub. Goldene Zeiten für Architekten. Auch für Mackintosh. Er baut Schulen, eine Kirche, Wohnhäuser und seine berühmten Teestuben. Der Willow Tea Room in der Sauchiehall Street ist die Kehrseite der „Arches“. Ein baumwollweißes Perückenmeer beugt sich über ein paar Tassen „Earl Grey“. Mackintosh sitzt in der Ecke und rührt den Zucker – frisch importiert aus Indien – mit dem Silberlöffel. Oder doch nicht? Es riecht nach Kandis, und so war es vermutlich schon vor hundert Jahren. Das Teehaus soll ein Treffpunkt der marginalisierten Abstinenzlergemeinde sein. Entworfen hat es ein notorischer Alkoholiker, dem man die Heuchelei nicht ansieht. Von der Lampe bis zum Löffel, alles stammt von Mackintosh. Sogar die Kellnerinnen könnten auf Originalentwürfe zurückgehen. Zeit ist doch zyklisch. Die Künste müssen in Symbiose treten, behauptete Mackintosh, zuerst miteinander und später auch mit den neuen Wissenschaften und Technologien; und später dann mit uns, dem nostalgischen Publikum. Architektur muss, so Mackintosh, auf die Umwandlung der Werte reagieren. Ähnliches, wenn auch in anderer Form, forderte man in der Architektur der Postmoderne, in den beginnenden 80er Jahren und später. Ausgehend von Mackintoshs Arbeiten, soll sich eine neue Architektur im Stadtinneren entwickeln. Kunst soll sich mit den wirtschaftlichen und historischen Fakten Glasgows verflechten. Glasgow, weiß man im Stadtrat, genießt die Reputation, langweilig, dreckig und bedrückend zu sein. Also versucht man, den strengen Kontext vorgegebener Architektur zu brechen; reißt manchmal nieder und restauriert zuweilen vorsichtig. Den wenigen existierenden Gebäuden der „Scottish Renaissance“ und der „Art Nouveau“ wird integrativ die Postmoderne zugesellt. Chirurgen werden verpflichtet. Dabei forciert man vorerst kaum große Namen. Eine Vision schwirrt durch die Köpfe „Das neue Glasgow setzt vollends auf die Belebung der Innenstadt, auf kleinere finanzierbare Projekte“, erklärt man in den „Arches“. Zufrieden registriert man die Cafés, Läden und Bars, die entstanden sind – und nicht sofort wieder zugesperrt haben. Eine post-industrielle kosmopolitische Vision schwirrt durch die Köpfe. So verändert die Stadt allmählich ihre Erscheinung. Das „Italian Center“, eine ehemals schmuddelige Markthalle, treibt heute die Schickeria von Glasgow in seine Boutiquen – „früher flog sie nach London; heute jetten die Londoner hierher, shoppen tagsüber und gehen abends ins umgebaute Tron Theatre. Urlaub in Glasgow, unvorstellbar“, lacht Ian. Studenten haben die Stadt als erste für sich entdeckt – die Caledonia University ist beizeiten erweitert worden – mutige Entwürfe, allesamt einen Besuch wert. Nichts Langweiliges und Zahmes – im Gegenteil: Neue Material- und Formerkundungen triumphieren. Architekten für die Vielzahl der Projekte lassen sich leicht finden. Es reicht schon ein Gang in die „Glasgow School of Arts“, eine der renommiertesten Ausbildungsstätten für Architekten in Europa. Am Ende der Renfrew Street fallen zuerst die vielen jungen Menschen auf, die im scheinbaren Nichts herumstehen. Ihr Tribut an die seltene Sonne. Grau ist Glasgow oft, die gewöhnliche Wohnstraße hier allemal, ein paar hässliche Häuser, Relikte der 60er Jahre, als man die Schule zum zweiten Mal ausbaute. Die gleiche Intention hatte man einige Jahrzehnte zuvor, als die wachsende Zahl der Studenten zunehmend Probleme verursachte. Mackintosh gewann die Ausschreibung. Er baute Glasgow sein berühmtestes Gebäude. Streng und nüchtern schaut das aus, vertikal, schön durchbrochen vom asymmetrischen Toreingang. Mackintoshs Schule wurde, anders als der größte Teil seiner Architektur, nie zweckentfremdet. Hinter hohen und langgezogenen Fenstern debattieren angehende Architekten neue Eingriffe. Beim Denken zuschauen kann man ihnen nicht; dafür einen Blick in die Verlassenheit des vielleicht schönsten Bibliothekssaals Großbritanniens werfen, eines dunkel getäfelten Raums, elegant, hochmodern, jedoch ohne Leser – mit dem schmucklosen Wissen um Funktionalität gebaut, die immerhin von den Besuchern bewundert wird. Die tiefe Verehrung, die Mackintosh entgegengebracht wird, zeigt sich jedoch in einem anderen Gebäude. In einer engen Gasse gelegen, in vertikalem Lettern steht „The Lighthouse“ an die Wand geschrieben. Glasgows neues Architektur & Design Center, erbaut von Mackintosh, umgebaut 1999, dem Jahr, in dem Glasgow zur Architekturstadt des Jahres ernannt wird. Die Stadt dokumentiert sich darin selbst. Regeneration ist längst zum Credo der Glasgowegians geworden, Architektur und ihre Rezeption sind nicht mehr beiläufig. Im „Lighthouse“ dürfen sie Zukünftiges und Abgeschlossenes betrachten. Das „Project5Spaces“ zum Beispiel, fünf Groß- Installationen an der bisher vernachlässigten Peripherie. Entwürfe des Architekturnachwuchses in einem anderen Stock. Und natürlich auch die Großprojekte, die sich die Stadt am Clyde seit einigen Jahren leistet. Dunkel treibt der Fluss unter der Glasgow Bridge. Dampf steigt von der Oberfläche, die dreckig und ölig schimmert. Vom alten Hafen sind nur die Narben sichtbar – die riesigen Ruinen der alten Bilstands Bakeries Fabrik und Washington Flour Mills. Doch auch der Fluss soll wiederbelebt werden – zuviel hängt an der Symbolik der einstigen Glasgower Lebensader. „Glasgow made the Clyde and the Clyde made Glasgow“. Schiffe aller Art begannen hier den Weg über den Atlantik, machten, dass New York oft näher lag als das Hinterland. Auf Gedeih und Verderb war man auf die Schiffe voll Tabak, später dann Wolle und Tuch, angewiesen – und auf die Arbeitskräfte, vor allem aus Asien, die in den Zechen und Werften Arbeit fanden. „Edinburgh war zwar die Kapitale, aber Glasgow besaß das Kapital.“
Foto: seeglasgow.com So soll es wieder werden, mit anderen Mitteln versteht sich. Die letzten Sonnenstrahlen fallen über das „Armadillo“, ein riesiges Gürteltier aus stählernen Schalen, gebaut von Sir Norman Foster für 3000 Menschen, die noch immer Elton John hören und „Cats“ sehen wollen. So trostlos auch der Zweck sein mag, das „Armadillo“ hat Klasse. An der Peripherie ist man immer am mutigsten. Direkt am Fluss ist es der Mittelpunkt eines Ausstellungs- und Konferenzzentrums, dass sich über kurz oder lang zu Glasgows neuem Wahrzeichen entwickeln wird. Am ehemaligen Queens Dock gelegen, zollt es auch der Vergangenheit Tribut; gleicht ineinander geschobenen Schiffsrümpfen und stellt dann derart die tiefe innere Beziehung zu seinem Standort und zur lokalen Geschichte wieder her. Auf dem Weg zurück in die Innenstadt ist nicht zu übersehen, dass auch hier eine erstaunliche architektonische Freiheit herrscht. Hier gibt es keine mittelalterliche Vorgabe wie in Edinburgh. Glasgow besitzt keine Einheitlichkeit im Gefüge der Stadt. Mackintoshs Linearität wird sofort durch die Schnörkel der Postmoderne gebrochen, denen wiederum ein Turm aus der schottischen Renaissance gegenübersteht. Glasgow ist nicht in sich geschlossen und auch nicht sonderlich originell, bietet also Platz für Innovation und Experiment. Dieses Gefühl bekommt man bei der letzten Pint in den „Arches“ vermittelt. Hier tut sich was, nicht nur architektonisch. Der Pop aus Schottland überspült Europa, und die Glasgower Filmlandschaft heimst nicht erst seit „Trainspotting“ Preise ein. Nur London produziert mehr. Und wer A. L.Kennedy noch nicht gelesen hat, sollte damit anfangen. Das Projekt Kultur scheint sich in Glasgow bezahlt zu machen. Die permanente und positive Präsenz in den britischen Medien lockt nun auch Investoren in die Stadt. Das Silicon Glen, Schottlands Pendant zu Kaliforniens Computeragglomeration, ist am Entstehen. Oder aber die „Homes for the future“, ein Wohnbauprojekt am Saltmarket, einer einst verrotteten Gegend der Innenstadt. Keine Monolithen, wie man sie am Stadtrand zur Genüge findet, vielmehr organische Formen, lebenswert für die, die sie sich leisten können. Hier scheint allerdings auch ein Problem der Neugestaltung Glasgows zu liegen. Der Mietspiegel der Innenstadt explodiert. An Mietern ist freilich kein Mangel, die Klientel besteht jedoch zumeist aus Wahlglasgowern. Dort, am Saltmarket, genauer am Gallowgate, dem einstigen Henkersplatz von Glasgow, ist am nächsten Morgen Flohmarkt. Der ausgestoßene Rest der Vorstadt, der durch das Sieb der Projektfreude fließt, verkauft die Überreste der Operation. An einem Holzgerüst hängen Kugellampen, seit Menschengedenken ohne Birne und Funktion, verstaubte angerostete Rohre, zwecklos wie die gelben Helme ehemaliger Werftarbeiter. Die Essenz dessen, was die Stadt abgewiesen hat. Und so bleibt für den Fremden, der die Stadt verlässt, nicht nur der schöne Schein eines gelungenen kosmetischen Eingriffs. INFORMATIONEN Das Glasgow Tourist Board befindet sich am 11, George Square, Telefon: 0044/1412044480, E-Mail: www.seeglasgow.com. Es vermittelt auch Hotels. Informationen zum Kulturprogramm und eine Vielzahl von Clubs, Bars und Galerien finden sich in der List, dem Stadtmagazin für Glasgow und Edinburgh. sueddeutsche.de 02. Februar 2006 BenQ-Siemens zeigt Gürteltier-Handy Die Designschmiede Product Visionaires, eine 100prozentige Tochter des Handy-Herstellers BenQ mobile, hat vier Designstudien für kommende Handy-Generationen vorgestellt. Das Modell Armadillo, zu Deutsch "Gürteltier", besitzt einen Mechanismus, der beim Öffnen das Display hervorschiebt und gleichzeitig die Tastatur freigibt. Das Handy ist allerdings kein konventioneller Slider, denn Vorder- und Rückseite sind über ein Gliederketten-Band miteinander verbunden.
Ob diese Geräte jemals in den Handel kommen, ist fragwürdig, bislang sind sie lediglich Designkonzepte einer Ideenschmiede. (dcn) chip.de 02 / 2006 Gordan am Gurt
Seit diesem Sommer hängen an zigtausend Auto-Gurten kleine Gürteltiere. Die Gürteltiere sollen die Kinder animieren, sich richtig zu sichern. Der DVR startete die Gürteltierkampagne der EU-Kommission in Deutschland. Auf flämisch heißt es „Gordeldier“, auf spanisch das gepanzerte Tier „Armadillo“ und auf tschechisch „Pasovec“, das Tier mit dem Gürtel. In Deutschland erhielt das eigentlich in Südamerika heimische Gürteltier einen besonderen Namen: Der Deutsche Verkehrssicherheitsrat taufte es „Gordan“. Über Gordan gab es zum Start der Kampagne in Hamburg am 20. Juni 2005 bereits einen mitreißenden Rap-Song. Dazu führten vier Schüler der Grundschule Rellinger Straße aus Hamburg-Eimsbüttel eine Breakdance-Einlage auf. Bei der Kampagnen- Präsentation überreichte der DVR erste Gürteltiere. Die Gürteltierkampagne spricht direkt die Kinder an. Dabei soll die Aufmerksamkeit der Kinder vor allem mit dem weichen Gummitier geweckt werden. Ähnlich wie bei einem Tamagotchi werden die Kinder dazu animiert, sich um das Gürteltier zu kümmern und es richtig zu sichern. Mit einem Klettband lässt sich das Tier am Sicherheitsgurt im Auto befestigen. Der DVR unterstützt die Kampagne zusätzlich durch die DVR-Mitfahrerbroschüre „Geschnallt?!“ und mit einem Internet-Auftritt. Unter der Webadresse www.gordan-online.de können die Schüler sich den Gordan-Song anhören, ein Gordan-Spiel ausprobieren oder sich zur Sicherung im Auto Infos abrufen. „Kinder können lernen, Verantwortung zu übernehmen und mit dafür sorgen, dass sie im Auto immer richtig gesichert sind“, betonte Ute Hammer, Geschäftsführerin des DVR in Hamburg. Das Gürteltier könne dazu einen Beitrag leisten. In Kooperation mit der Polizei Hamburg und dem Polizeiverein Hamburg verteilten Polizeiverkehrslehrer die Gürteltiere mit kindgerechten Infoblättern an die Schüler der dritten Schulklassen in Hamburg. „Für uns als Bundesland bietet die direkte Zusammenarbeit mit dem DVR bei dieser EU-Kampagne einen großen Vorteil“, erklärt Thomas Adrian von der Hamburger Behörde für Inneres. Man könne auf das Know-how des DVR aufbauen. Ein unmittelbarer Kontakt mit der EU wäre dagegen viel aufwändiger gewesen. In Nordrhein-Westfalen startete die Gurtkampagne vor den Sommerferien in Kindergärten im Ruhrgebiet. Nach den Ferien wird sie im Regierungsbezirk Münster fortgeführt. Unterstützung erhält die Kampagne vom Bundesverband sowie vom Landesverband NRW der Betriebskrankenkassen und vom Innenministerium NRW. Hintergrund der Gürteltierkampagne ist die Tatsache, dass in Deutschland immer noch die Hälfte der Kinder ab sechs Jahre im Pkw nicht richtig gesichert werden. Verkehrsexperten mussten hier sogar eine negative Entwicklung registrieren. Im Jahr 2004 wurden die älteren Kinder auf Landstraßen zu 6 % weniger gesichert. Damit fuhr etwa die Hälfte der Kinder nicht altersgerecht gesichert auf den allemal gefährlichen Landstraßen im Auto mit. Innerorts ging die Sicherungsquote noch stärker zurück. Dort wurden nur noch 46 % der älteren Kinder ausreichend gesichert. Ungesicherte Kinder haben im Auto ein siebenmal größeres Risiko schwerverletzt oder getötet zu werden als gesicherte. Seit Einführung der Sicherungspflicht ging die Zahl der getöteten Kinder im Auto um rund ein Drittel, die der Schwerverletzten um fast ein Viertel zurück. Und dies, obwohl noch längst nicht alle Kinder richtig gesichert werden. Bedienungsfehler mindern Schutz Denn immer noch werden Kinder ungesichert im Auto mitgenommen. Oder sie werden in nicht altersgerechte Kindersitze gesetzt, die Gurte werden falsch befestigt, die Sitze passen nicht ins Fahrzeug oder sind veraltet und brüchig. Untersuchungen haben gezeigt, dass in einem Drittel der Fälle so schwere Bedienungsfehler gemacht werden, dass der Schutz für das Kind bei einem Unfall deutlich gemindert oder sogar ganz aufgehoben ist. Die fehlende oder falsche Kindersicherung spiegelt sich in den Unfallzahlen wieder. Im Jahr 2004 wurden 153 Kinder bei Verkehrsunfällen in Deutschland getötet. Dabei wurden 43 Kinder von einem Auto angefahren, aber 80 Kinder starben als Mitfahrer in einem Pkw. Als Insasse im Auto erlitten zudem 1.462 Kinder schwere und schwerste Verletzungen. Es bleibt ein schwer nachvollziehbares Phänomen, dass Erwachsene sich zu über 90 % mit einem Gurt sichern, aber besonders ältere Kinder ungesichert im Auto mitnehmen. Die Gürteltierkampagne soll nun das Bewusstsein ändern. Die Kinder selbst sollen zur richtigen Sicherung greifen. Ein Gummitier für Europa Ortwin Schmidt von der Verkehrsdirektion Hamburg ist überzeugt, dass die Aktion bei den Schülern tatsächlich das Sicherungsverhalten verbessern wird. „Wer sich um die Sicherheit des Gordan sorgt, wird sich auch selbst richtig sichern“, sagt der Polizeibeamte. Er hat sich dafür eingesetzt, dass die 72 Verkehrslehrer der Hamburger Polizei die Gürteltiere an den Grundschulen verteilen. Insgesamt werden in diesem Jahr allein in Hamburg 18.000 Gürteltiere ausgegeben. „Die Schüler finden besonders interessant, dass Kinder auch in Schweden, Polen und anderen europäischen Ländern die Gummitiere bekommen“. In der Tat wurden die Gürteltiere in diesem Jahr bereits zu Hunderttausenden in Belgien, den Niederlanden, Portugal, Spanien, Finnland, Schweden, Slowenien, Tschechien sowie in Polen verteilt. Mit der Aktion kam es in einigen Ländern zu ersten oder verstärkten polizeilichen Kontrollen der Kindersicherung. In Tschechien müssen Kinder bisher nur auf den Autobahnen gesichert werden. „Wir erwarten noch in diesem Jahr ein neues Gesetz, mit dem die Kindersicherung allgemein vorgeschrieben wird“, sagt Zuzana Ambrozová vom tschechischen Transport-Ministerium. „Die Gürteltierkampagne ist in den Mitgliedsländern bereits auf großen Anklang gestoßen“, betont Dimitrios Theologitis, Referatsleiter Verkehrssicherheit der Generaldirektion Transport der EU-Kommission. Gerade das Gürteltier komme in allen Ländern gleich gut bei den Kindern an. In den unterschiedlichen Sprachen erinnere das jeweilige Wort für Gürteltier mehr oder weniger direkt an die Gurtsicherung. Die Kampagne wird europaweit EUCHIRES-Kampagne, EUropean CHIld REStraint Campaign, genannt, die zu 50 % finanziell von der EU-Kommission unterstützt wird. Projektpartner für Deutschland ist der Deutsche Verkehrssicherheitsrat. Die EU-Kommission sieht ihre Rolle darin, eine effektive Kampagne aus einem Mitgliedsland aufzugreifen und den anderen Ländern zu gängig zu machen. So kommt die Gürteltierkampagne ursprünglich aus den Niederlanden. „Die Verbreitung von ,best practice‘ – in diesem Fall einer wirkungsvollen Öffentlichkeitsmaßnahme – stärkt nicht nur das europäische Bewusstsein, sondern bietet den Autofahrern in den unterschiedlichen europäischen Ländern ein vertrautes Bild“, so der EU-Verkehrssicherheitsexperte Theologitis. Urlaubsfahrer etwa würden auf ihrer Reise durch unterschiedliche Länder immer wieder mit der gleichen Botschaft konfrontiert. Damit könne sich die Wirkung vervielfachen. Solche Kampagnen könnten zudem sehr viel Kosten und Ressourcen sparen. Nicht jedes Land müsse seine eigene Kampagne von A bis Z entwickeln. Die Konzeptionskosten entfielen. „Gerade bei der Gürteltierkampagne ist die Chance groß, dass sich noch mehr Länder anschließen“, sagt Theologitis. Das Problem fehlender Kindersicherung jedenfalls sei in Europa weit verbreitet. Detaillierte Zahlen gebe es allerdings für alle EU-Staaten noch nicht. Es fehlten europaweit geltende Standards der Erhebung. Man könne aber für die meisten Länder von einem großen Manko bei der Kindersicherung ausgehen. Hier müsse dringend etwas geschehen. Mit Kampagnen und Maßnahmen könnten sehr viele Kinder vor dem Unfalltod oder vor schweren Verletzungen bewahrt werden. dvr.de |
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